Rezension zu der aktuellen CD "Solo Sonaten für Bartok-Prokofiev-Ysaye, Franziska Pietsch Violine. Gegen die Konventionen und voller Gegensaetze

Spiegel online/ Sonntag, 02.12.2018 09:31 Uhr/ * Klassik: Franziska Pietsch, Vilde Frang spielen Béla Bartók

 

Violinen: Bartók würde sich wundern                                                      Von Werner Theurich

Gegen die Konventionen und voller Gegensätze:                                                       

Die Violinistinnen Franziska Pietsch und Vilde Frang

widmen sich virtuos der Musik von Béla Bartók.

Der Wind weht rau! Franziska Pietsch behandelt die Solosonate Sz 117 von Béla Bartók (1881-1945) ganz unfolkloristisch karg und klar, wie es sich der ungarische Musik-Innovator wohl vorgestellt hat. Volksmusik als Inspiration, aber nicht als Abbildung: Den stilistischen Bogen seines Werks spannte der akribische Volksliedsammler Bartók sehr weit. Genau dieser Spannung nachzuspüren, ist hier die Aufgabe des Interpreten. Die Violinistin nimmt sich die Sonate Sz 117 mit beinahe schroffem Ton vor, was sicherlich nicht jedem Bartók-Freund gefallen mag, aber allemal für klare Verhältnisse sorgt.

 

Als es Béla Bartók im amerikanischen Exil nicht sehr glücklich erging, er weitgehend ignoriert und seine Kunst missverstanden wurde, hielten Künstlerfreunde zu ihm. So "bestellte" Yehudi Menuhin für sich ein Virtuosenstück - und bekam die herausfordernde, vielschichtige Sonate.

Barocke Formen

So spitz und kraftvoll Franziska Pietsch den ersten Satz ("Tempo di ciaccona", eine Chaconne) interpretiert, so zart und behutsam ertastet sie den dritten ("Melodia"). Ein Spiel mit Gegensätzen

und barocken Formen, die sich bis ins Final-Presto finden. Wer sich am zupackenden Ton nicht stört, bekommt puren Bartók.

 

Franziska Pietsch, 1969 in Halle geboren, spielt seit ihrem fünften Lebensjahr Violine, studierte bei Ulf Hoelscher in Karlsruhe und unter anderen bei Ruggiero Ricci an der New Yorker Juilliard School, gewann zahlreiche Preise und erarbeitete sich ein breites Repertoire von Beethoven bis Szymanowski. Ihre aktuelle CD zeugt auch von dieser stilistischen Treffsicherheit und manueller Brillanz.

 

 

So auch beim belgischen Komponisten Eugène Ysaye (1858-1931), dessen manuelle wie musikalische Herausforderungen an die Solistin ganz andere Ansprüche stellen. Fließend, pointiert, mit langen Spannungsbögen muss seine komplexe Musik dargestellt werden. Wie in Ysayes Solo-Sonate op. 27/2, deren feine Gegensätze Franziska Pietsch mit zuverlässiger Technik, aber eben federleicht zum Sprechen bringt. Der Komponisten-Kollege Claude Debussy schätzte Ysayes Musik hoch, Virtuosen wie Jascha Heifetz spielten mit Hingabe seine Solostücke.

 

2019  Franziska Pietsch

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Fotos :  Sonja Werner

                 Uwe Arens

                 Frank Tuerpe

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